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John/Rodney, Lorne, Teyla
3.336 Worte / PG
Für aislingde. Leider kein wirklicher Team-Gen, aber das ist die Story, die geschrieben werden wollte. Ich hoffe, es gefällt dir trotzdem. :)
Eine nach dem Beginn von S4 angesiedelte Alternate Reality, inspiriert von John Parrs St. Elmo's Fire und Kylie Minogues White Diamond. (Und ja, ich weiß, wie die Kombination klingt! *g*)


New World Order

"Du musst gehen."

John seufzte und weigerte sich, die Augen zu öffnen. Es war das vierte Mal, dass Rodney ihn heute erinnern musste. "Ich weiß." Nur noch einen Moment, versprach er sich selbst. Fang gar nicht erst damit an, dachte er im nächsten Augenblick. Er hatte sich noch gar nicht richtig bewegt, doch Rodney schien zu spüren, dass es ihm diesmal ernst war, denn er entließ John aus seiner Umarmung und rollte sich zur Seite. John hielt sich gar nicht mehr mit Worten und großen Gesten auf - er war wirklich spät dran - sondern verabschiedete sich nur mit einem kurzen Kuss auf Rodneys Nacken, bevor er sich regelrecht aus dem Bett fallen ließ.

Sein rechtes Knie danke es ihm mit einem kurzen Pochen, doch er biss die Zähne zusammen und ignorierte es. "Wir sehen uns später?" Vor heute Abend würde das zwar nichts werden, aber...

Ein leises, vage bestätigend klingendes Murren war Rodneys Antwort.

John ließ ihm mit einem Augenrollen die fünfzehn Minuten, die er noch hatte. Eine kurzer Abstecher in sein Quartier und er war unterwegs. Halb fünf am Morgen war selbst Ronon noch zu früh um zu joggen, doch wenn John überhaupt noch etwas für seine Fitness tun wollte, blieb ihm nichts anderes übrig, als Stunden vor der Dämmerung aufzustehen - wenn es nach der gestern liegen gebliebenen Arbeit ginge, hätte er sich gleich gar nicht erst ins Bett legen dürfen.

Ich hätte nicht zu Rodney gehen sollen. Er verbannte den Gedanken so schnell wieder, wie er auch gekommen war. Ihm fehlten vielleicht zwei Stunden Schlaf, aber das war es mehr als wert gewesen und er konnte nicht auf alles verzichten, nur weil seine neuen Pflichten ihm mehr und mehr über den Kopf wuchsen.

Eine halbe Stunde Jogging, dann eine viertel Stunde für eine heiße Dusche und den Rest der Morgentoilette - mehr war nicht drinnen. Das Frühstück nahm er sich gleich mit, anstatt auch noch Zeit damit zu verschwenden. Und trotzdem wartete Lorne schon auf ihn, als er kurz vor halb sechs endlich ins Büro kam.

"Guten Morgen, Sir."

"Morgen." Dankbar dafür, dass er gleich eine ganze Thermoskanne Kaffee mitgebracht hatte, ließ er sich in den Sessel fallen. "Ich wüsste nicht, was daran gut sein sollte." Lornes Antwort darauf war eine Grimasse, die in einer anderen Realität vielleicht ein Lächeln gewesen wäre und John seufzte. "Womit fangen wir an?"

"Die Dienstpläne für nächsten Monat, gefolgt von der Einteilung für Offworld-Missionen und da sich die Ankunft der Daedalus verzögert, müssen wir einige unserer Vorräte rationieren. Wir sollten vielleicht wieder dazu übergehen, mit lokalen Lebensmitteln aufstocken. Ich habe da eine Liste von Planeten, zu denen wir freundschaftliche Kontakte haben und auf denen gerade Erntezeit herrscht. Und wir haben noch immer nicht die SGC-Berichte über die Fortschritte im Labor fertig…" Lorne wirkte genauso entsetzt, wie John sich auch fühlte. Doch allein die Tatsache, dass er noch Offworld gehen konnte, während John auf Atlantis festsaß war eine Quelle der andauernden Frustration. John war mittlerweile soweit, dass er mit Freuden unbewaffnet und mit Kavanagh als einziges Backup zu Verhandlungen mit den Genii aufbrechen würde. Wenn es noch lange so weiterging, vielleicht sogar zu Oberoth.

Erschießt mich jetzt. Bitte. Er widerstand nur knapp dem Verlangen, mit dem Kopf voran gegen die nächste Wand zu rennen und dabei auf eine Gehirnerschütterung zu hoffen. Oder vielleicht gleich ein Koma.

Der Drang nahm auch in den nächsten Stunden nicht ab, ganz im Gegenteil. Kaum, dass das Wichtigste - teilweise Dinge, die noch von Elizabeth liegen geblieben waren - und da war er wieder, dieser ganz spezielle Kopfschmerz, der nicht nur mit Erschöpfung und Überarbeitung zu erklären war - abgearbeitet war, kam der neueste Databurst von der Erde. Die Energie reichte auf beiden Seiten schon lange nicht mehr, um ein Wurmloch länger als maximal ein paar Sekunden aufrecht zu erhalten; die ZPMs die sie der Erde nach der Übernahme der Asuraner geschickt hatten, waren in der Daedalus und ihrem Schwesternschiff, der Odyssey, besser aufgehoben als im neuen, internationalen SGC in der Antarktis. Er und Lorne brüteten noch zwei Stunden über der immer verzweifeltere Lage in der Milchstraße und John wünschte sich nicht zum ersten Mal, dass sie zurück in die "gute alte Zeit" konnten, als Adria noch nicht aufgestiegen war und der Bürgerkrieg die Wraith noch untereinander aufspaltete.

"Emmagen an Sheppard."

Der Funkspruch riss ihn aus den düsteren Gedanken und unwillkürlich setzte er sich etwas gerader hin, bevor er antwortete. "Sheppard hier."

"John." Er lächelte automatisch, als er Teylas Stimme hörte. "Ich wollte fragen, ob du Zeit für ein Mittagessen hast?"

Ein schneller Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es schon wieder reichlich spät war und er nicht mehr viel Zeit hatte, wenn er noch etwas Warmes haben wollte. Ein Blick auf die noch immer erst halb abgearbeiteten SGC-Berichte, die noch unbearbeiteten Anforderungsformulare für ihren Nachschub und die Papiere für die Überstellung der Leichen von Leutnant Maier und seinen zwei Kameraden und er schüttelte bedauernd den Kopf. Es dauerte einen Moment, bis er sich erinnerte, dass Teyla ihn nicht sehen konnte. "Es tut mir leid, Teyla", sagte er schließlich, "aber ich ersticke hier in Arbeit und…"

"Dann werde ich dir etwas bringen." Eine kurze, aber eindeutig vorwurfsvolle Pause. "Ronon musste das Gleiche mit Rodney machen."

Lorne warf ihm einen mitleidigen Blick zu und John schnitt eine Grimasse. "Einverstanden."

"Ich nehme an, Major Lorne hätte auch nichts gegen etwas zu essen?"

"Ganz im Gegenteil." John lachte, als Lornes Miene sich bei der Aussicht auf Essen sofort aufhellte. "Danke, du bist heute unsere Rettung, Teyla."

"Ich weiß", erwiderte sie schlicht und unterbrach die Verbindung.

"Nicht nur heute, Sir."

Lorne hatte Recht - was die Tatsache, dass John das Training mit ihr heute schon wieder ausfallen lassen musste auch nicht leichter machte. Zu mehr als Jogging hatte er es seit zwei Wochen nicht mehr gebracht. Und er brauchte eine Weile, bis er sich überhaupt erinnern konnte, wann er Ronon das letzte Mal gesehen hatte. Beim Meeting vor drei Tagen, als er gerade erst einen Tag aus der Krankenstation entlassen worden war, fiel ihm nach einiger Verzögerung ein.

"Kurze Pause", bestimmte er und Lorne nickte dankbar. Seit Elizabeths Tod - und verdammt, selbst nach einem halben Jahr war es noch immer schwer, daran zu denken - waren Tage wie dieser die Norm. John musste sich von Tag zu Tag mehr um Diensteinteilungen und Vorräte kümmern, von dem ganzen diplomatischen Zeug und dem SGC einmal ganz zu schweigen, während Rodney das abbekommen hatte, was hier jetzt als "Human Ressource mit direktem Menschenkontakt" bekannt war. Natürlich zusätzlich zu seinen Aufgaben im Labor, die sich verdreifacht hatten, nachdem das Personal nicht mehr wurde.

Wahrlich keine ideale Aufteilung, aber noch immer besser als die verkehrte; sie hatten es versucht. John war gut, was die reibungslose Organisation betraf aber sich mit seinen Untergebenen auch wirklich auseinanderzusetzen... es hatte einen Grund dafür gegeben, warum früher Lorne diesen Teil seiner Aufgaben übernommen hatte. Aber Lorne konnte nicht alles erledigen und schon gar nicht die Dinge, die mit dem Wissenschaftlern zu tun hatten. Lorne war gut, aber kein Mann vom Fach und im Gegensatz zu John hatte er auch nicht genug Zeit in den Laboren verbracht, um sich zumindest ansatzweise zurecht zu finden.

Es hatte keine zwei Tage gedauert, bis die Leute eingesehen hatten, dass sie mit ihren Problemen doch noch lieber zu Rodney gingen. Darüber, was genau das über Johns Art und Weise im Umgang mit seinem Mitmenschen aussagte, dachte er lieber nicht nach; Rodneys Seitenhiebe und Neckereien erledigten das schon für ihn. Aber im Großen und Ganzen funktionierte das Modell "McKay und Sheppard gemeinsam für das, was Weir früher alleine erledigt hat" besser als erwartet. Von den unvermeidlichen Katastrophen einmal abgesehen.

Die Arbeit vermehrte sich für alle wie Tribbles, genauso wie die Probleme mit ihrer wunderschönen aber leider auch Millionen von Jahren alten und dementsprechend desolaten Stadt.

Die Ankunft Teylas mit einem Tablett für drei Leute riss ihn aus seinen Gedanken und er stürzte sich auf seine Portion, als ob er kurz vor dem Verhungern stand. Erst jetzt bemerkte er, wie hungrig er wirklich war und Teylas Stirnrunzeln verriet ihm, dass sie sein Verhalten bemerkt hatte.

"Du musst besser auf dich achtgeben", tadelte sie ihn und aus den Augenwinkeln sah John, dass Lorne nicht einmal versuchte, sein Grinsen zu verstecken. Der Mann war sich seiner Unersetzbarkeit nur allzu bewusst. Verdammt.

"Wer selbst im Glashaus sitzt", zischte er trotzdem in Lornes Richtung, bevor er Teyla mit einem Seufzen Recht gab. "Ich weiß." Er und auch Rodney konnten mit diesen siebzehn plus Stundentagen nicht mehr lange weitermachen und sie wussten es auch beide nur allzu gut. Was aber auch nichts daran änderte, dass die Arbeit erledigt gehörte und es von Stunde zu Stunde mehr und mehr wurde. Erst vor zwei Wochen war das erste Orii-Schiff in Pegasus gesichtet worden und auch wenn die Odyssey es mit Hilfe zweier Mutterschiffe der Jaffa vernichtet hatte, bevor sie sich wieder denen in der Milchstraße zugewandt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis noch mehr kamen. Von den Wraith, die aktiver denn je waren, einmal ganz zu Schweigen. Wenn die IOA nicht noch immer hoffen würde, hier noch wichtige Informationen zur Bekämpfung der Orii zu finden, hätten sie das Experiment "Atlantis" schon längst abgeblasen, aber auch so gab es fast keinen Nachschub mehr von der Erde, von zusätzlichem Personal einmal ganz zu schweigen. Alles, was uns jetzt noch fehlt, sind die Asuraner. Ich hoffe, sie halten sich noch weiterhin zurück. Die Hoffnung wurde von Tag zu Tag geringer, die Ergebnisse ihrer Langstrecken-Scans immer alarmierender.

Es war zum Verzweifeln und es fehlte nicht mehr viel und John würde auch genau das tun.

"Ich nehme an, dass unser Training auch heute wieder ausfallen muss?"

Das wirklich Schlimme daran war, dass Teyla auch noch so verdammt verständnisvoll war, und es so John noch schwerer fiel, sie immer wieder aufs neue zu enttäuschen. "Es tut mir leid", begann er, doch sie hob eine Hand und er brach ab.

"Ich verstehe", sagte sie ruhig. "Aber es muss sich etwas ändern. Weder du noch Rodney können noch lange so weitermachen und gerade du brauchst den Ausgleich, den das Training dir bietet." Ihr war es diesmal wirklich ernst und John, der nur zu genau wusste, dass seine untypische Ungeduld und seine immer schlimmer werdenden Konzentrationsprobleme mit zuviel Papierkram und zuwenig physischer Anstrengung zu tun hatten, senkte den Kopf und schenkte seiner Mahlzeit seine volle Aufmerksamkeit. Doch nicht für lange, denn Teyla war noch nicht fertig mit ihm.

"John. Ich bin mir sicher, dass Major Lorne und Dr. Zelenka auch einmal einen Tag auf dich und Rodney verzichten können, nicht wahr?" Der Blick, den sie Lorne dabei zuwarf, machte klar, was für eine Antwort sie erwartete, daran änderte auch ihr Lächeln nichts. Es verstärkte den Effekt nur noch.

"Natürlich nicht", sagte Lorne - der Verräter - sofort und klang dabei nicht einmal überrascht. Das ist von langer Hand geplant, was auch immer es ist, erkannte John und es zeigte ihm deutlich, wie schlimm es um ihn stand, dass er das erst jetzt realisiert hatte. "Ganz im Gegenteil, Teyla. Sir." Er grinste John ungeniert an. "Ich halte das für eine ausgezeichnete Idee."

"Gut." Ein Blick von Teyla und Lorne und John verfrachteten ihr Geschirr auf das Tablett. Sie belohnte die Geste mit einem leichten Nicken. "Dr. Zelenka hat ähnlich reagiert, als Ronon mit ihm gesprochen hat." Das kann ich mir denken. John konnte ein amüsiertes Schnauben nicht unterdrücken. "Morgen werdet ihr beide mit Ronon und mir nach Neu Athos fliegen. Halling braucht meine Hilfe bei den Gesprächen mit den Manarianern", John empfand es noch immer als Wahnsinn, dass die Athosianer mit diesem Volk noch immer verhandelten, aber solange sie es von ihrem neuen Planeten aus machten und Atlantis nicht mit hineinzogen… bitteschön. "Wir sehen uns morgen um neun in der Jumperbay. Ich freue mich darauf." Mit diesem Worten und einem strahlenden Lächeln verabschiedete Teyla sich, schnappte sich das Tablett und ließ einen amüsierten Lorne und einen total überrumpelten John zurück.

"Sieht so aus, als ob Sie morgen einen Urlaubstag nehmen, Sir", sagte Lorne schließlich. "Mit Respekt: Es ist an der Zeit."

"Ich weiß", gab John nach einem Moment widerwillig zu, nachdem ihm einfach keine bessere Antwort eingefallen war. Ich weiß nur nicht, wer es dringender braucht: Rodney oder ich. Wenn er ehrlich mit sich selbst war, wusste er aber genau, dass er einen freien Tag noch dringender brauchte. Oder gleich eine ganze Woche. Einen Monat. Im Moment klang Pension auf dem Planeten mit dem Super-Wraith auch sehr verführerisch... Er spürte, dass er knapp vor einem Zusammenbruch stand, während Rodney noch nicht ganz zu fertig war. Betonung auf noch und noch nicht ganz.

Eine Tatsache, mit der er noch immer nicht wirklich fertig geworden war. Aber Rodney hatte jahrelange Erfahrung mit lange andauerndem Stress in einer Führungsposition, während John erst in den letzten Jahren mehr und mehr davon abbekommen hatte. Rodney brauchte einen gewissen Druck, um Top-Leistungen zu bringen und während John das auch tat war er es einfach nicht gewohnt, sich konstant um die wirklich wichtigen Dinge sorgen zu müssen. In McMurdo war alles viel einfacher. Er hätte nie gedacht, dass er sich noch einmal in die schlechte alte Zeit zurücksehnen würde.

"Sir?"

Ich sollte es ihm wirklich abgewöhnen. Er versuchte Lorne seit Wochen beizubringen, mit ihm etwas weniger förmlich umzugehen - bisher ohne Erfolg. "Was?"

"Sollten wir vielleicht…" Lorne schien es fast peinlich zu sein, ihn wieder an die Arbeit erinnern zu müssen, doch John schüttelte nur den Kopf.

"Schon gut." Er seufzte. "Bringen wir es hinter uns. Ich will ja schließlich und endlich nicht, dass Sie morgen vor Verzweiflung einen Schreikrampf kriegen, wenn Sie sich mit dem ganzen Zeug alleine rumschlagen müssen." Er konnte - und wollte - zum ersten mal seit Ewigkeiten ein Grinsen nicht verkneifen, als er Lornes Gesichtsausdruck sah. "Verdrängung?", schlug er unschuldig vor, als Lorne sich wieder auf seinen Laptop konzentrierte.

Lorne seufzte, zensierte seinen Blick nicht im geringsten und nickte schließlich ergeben. "Verdrängung ist alles, was mich an manchen Tagen noch aus dem Bett bringt."

"Ich kenne das Gefühl", stimmte John geistesabwesend zu, während er durch die von Rodney geschickten Personalberichte scrollte. Drei fixe Leute zurück zur Erde, dafür hatten fünf, die nur einen Turnus hier hatten, um Aufenthaltsverlängerung angesucht. Er registrierte die Namen derer, die zurückwollten, und vergaß die Gründe dafür sofort wieder. Er hatte dafür keine Zeit. Wer weg wollte, sollte gehen, wer bleiben wollte, sollte bleiben. Er vertraute voll und ganz darauf, dass Rodney die richtige Auswahl traf. "Sie werden es schon schaffen", versuchte er schließlich, Lorne aufzumuntern.

"Bestimmt." Der Tonfall war zu bemüht und John hob nicht einmal den Kopf - er konnte sich den Ausdruck auf Lornes Gesicht auch so nur allzu gut vorstellen. Eiserne Entschlossenheit. Ich krieg meinen freien Tag und wenn es ihn umbringt. Galgenhumor war schon immer einer seiner besten Freunde gewesen doch John war sich dessen bewusst, dass er ihn in letzter Zeit überstrapazierte. Reiß dich zusammen, John, ermahnte er sich selbst und entschied im nächsten Moment, dass er genug hatte.

"Lorne?"

"Sir?"

John verdrehte die Augen, kommentierte aber nicht. "Sobald wir die Transferpapiere ausgestellt haben und die Anforderungslisten komplett sind, machen wir Schluss." Das würde noch mindestens dreieinhalb Stunden dauern, schätzte er, aber es würde trotzdem auf einen relativ frühen Feierabend hinauslaufen. Mit einem Blick verhinderte er jeden Einwand. Es war spät, aber nicht so spät wie sonst. "Sie brauchen auch ein paar Stunden Freizeit, bevor Sie halbtot ins Bett fallen, wenn Sie den morgigen Tag halbwegs überstehen wollen." Er zwang sich zu einem leichten Lächeln. Es fühlte sich falsch auf seinem Gesicht an. "Das ist ein Befehl, Major."

Lorne seufzte schicksalsergeben. "Ja, Sir." Der Ausdruck in seinen Augen verriet jedoch seine Dankbarkeit.

"Gut, dann ran an die Arbeit." Der Eifer war zwar gespielt, aber John wollte den Tag endlich hinter sich bringen.

Stunden später hatte er zwar schon den nächsten Stapel an Berichten - diesmal aus der Botanik - in seiner Inbox, doch er ignorierte sie. Er hatte genug für heute. Was ihn daran erinnerte... Mit einer Hand bestätigte er die letzten der eingereichten Missionsberichte, während er mit der anderen sein Headset aktivierte. "Rodney?" Er liebte den privaten Kanal, der Rodney nur für das Team eingerichtet hatte - er ersparte ihnen das ganze offizielle Sheppard an McKay mit darauf folgenden Umschalten durch den Kontrollraum.

Ein Seufzen begrüßte ihn, gefolgt von einem müden: "Was ist?"

John seufzte lautlos mit, während Lorne sich plötzlich demonstrativ auf seinen Laptop konzentrierte. "Lorne und ich machen gleich Schluss - wie sieht's bei dir aus?"

Ein abfälliges Schnauben war Rodneys Antwort. "Radek hat - mit Ronons Hilfe - einen Staatsstreich angezettelt und mich bis übermorgen früh aus dem Büro und dem Labor verbannt. Ich bin gerade auf dem Weg zu dir, um dich einzusammeln."

John lächelte bei den Worten. "Gut. Erst Abendessen, dann Schlaf, dann ein Trip nach Neu Athos?"

Wieder ein Seufzen. "Von mir aus", sagte Rodney. Die Vorfreude war ihm deutlich anzuhören, aber es wäre atypisch für ihn gewesen, sie auch so offen zu zeigen. "Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal durch das Gate gegangen bin..." Das Radio deaktivierte sich abrupt und im nächsten Moment stand Rodney auch schon in der Tür. "Fertig?"

"Gerade in diesem Moment." Ein kurzer Befehl und die Missionsberichte wanderten in den Cache, um später in den Databurst eingespeist zu werden. "Lorne?"

"So gut wie, Sir."

"Gut. Ich mache Schluss. Sehen Sie zu, dass Sie in spätestens einer halben Stunde auch hier raus sind, okay?"

Lorne sah auf und bedachte ihn mit amüsierten Blick. "Darauf können Sie sich verlassen. Ich bleibe keine Sekunde länger hier, als unbedingt notwendig. Erst recht nicht, wenn ich keine Gesellschaft habe." Er nickte Rodney grüßend zu, bevor er sich wieder dem Bildschirm zuwandte und John schüttelte amüsiert den Kopf.

"Gute Nacht, Major." Rodney brummte etwas ähnliches und Lorne antwortete mit einem geistesabwesenden Winken.

"Täuscht es mich, oder entspannt er sich langsam aber sich etwas?", fragte Rodney, nachdem sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte. John warf noch einen prüfenden Blick Richtung Gatekontrolle - alles in Ordnung und er hoffte nur, dass Rodney nicht auffiel, dass Sergeant Campbell wieder einmal Kaffee für alle mitgebracht hatte.

"Mit Betonung auf langsam und etwas", stimmte John schließlich zu und dirigierte Rodney sanft aber bestimmt Richtung Transporter. Er wollte keine "kleinen Checks", die dann in mehrstündige Überprüfungen der gesamten Systeme ausarteten. Nicht heute. "Wenn ich ihm noch ein paar Jahre gebe, wird es vielleicht noch etwas."

"Vielleicht." Rodney klang skeptisch und nicht sonderlich interessiert. Stattdessen gab er als Ziel ihren Korridor ein und warf nicht einmal mehr einen Blick zurück. "Ich hab genug für heute", verkündete er, als hätte er Johns verwunderte Gedanken gelesen. "Verdammt, ich hab genug für immer. Aber in Ermangelung etwas besseren nehme ich heute und morgen."

"Ich weiß genau, was du meinst." John unterdrückte nur mit Mühe ein Gähnen und bog automatisch nach links, in Richtung seines Quartiers, ab. Rodney hielt ihn auf, in dem er seinen Ärmel schnappte und ihn in die entgegengesetzte Richtung zog.

"Wenn du glaubst, dass ich dich heute Nacht alleine lasse, täuscht du dich gewaltig. Es ist noch relativ früh und wir haben morgen frei und können ausschlafen - du kommst mit mir!"

"Wer bin ich, dass ich mich einem derartigen Befehl widersetzen könnte?", fragte John amüsiert, während er sich in die Richtung von Rodneys Unterkunft führen ließ.

Rodney grinste ihn an. "Du bist zu intelligent, um dich mir zu widersetzen. Komm schon, es ist schon spät, und wir haben noch ein paar Sachen zu erledigen, bevor wir schlafen können..."

Johns müdes Hirn war noch damit beschäftigt, herauszufinden, ob er gerade ein Kompliment erhalten hatte oder nicht, als Rodney ihn durch die Tür und in Richtung Bett schubste. "Klamotten weg und rein da."

"Ja, Rodney", erwiderte er automatisch und schickte sein Hirn in Standby-Modus. Er war schon immer gut darin gewesen, Befehle zu befolgen, solange sie ihm sinnvoll erschienen. Und Rodney war erklärtermaßen der intelligenteste Mensch in zwei Galaxien. John hatte absolut kein Problem damit, ihm zu gehorchen.

Hier und jetzt und in diesem Moment zumindest.

= Ende =

Comments

aislingde
Dec. 24th, 2007 05:13 pm (UTC)
Das ist genau die Story, die ich lesen wollte!

Danke.

Auch wenn Ronon nicht vorkommt, ist es eine Team Story. Teyla, die sich um John kümmert und Ronon, der Rodney motiviert.

Ich liebe sie.
shendara
Jan. 4th, 2008 09:31 am (UTC)
Das ist genau die Story, die ich lesen wollte!

Puh, da bin ich jetzt aber erleichtert!

Auch wenn Ronon nicht vorkommt, ist es eine Team Story. Teyla, die sich um John kümmert und Ronon, der Rodney motiviert.

Ich habe gehofft, dass du es so sehen wirst. Und Lorne ist, meiner Meinung nach, auch immer gut. *g*

Ich liebe sie.

Yay! Und danke für's FB. :)

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