Kat (ukumai) wrote in sga_wichteln,
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Wichtelgeschenk für taelonmahal

Zugegeben, ich hatte Auswahl - viel zu viel Auswahl *wah* Und eben weil ich Auswahl hatte, hab ich mir gleich das rausgesucht, was ich persönlich nicht gerne schreibe, Manslash... Aber taelonmahal mag nun einmal McShep und so musste das sein ^^
Ich hatte zwar meine liebe Mühe beim Schreiben und es gibt auch Szenen, wo ich einfach nur unter den Schreibtisch kriechen und die FF löschen will, aber im großen und ganzen bin ich recht zufrieden, demnach: Ich hoffe, die FF gefällt ^^


Short-Cut: John und Rodney hatten ein kleines Erlebnis auf Oali, das ihnen ein paar Probleme bereitet. Während sie damit beschäftigt sind, diese aus dem Weg zu räumen, kommen beide zu ein paar neuen Erkenntnissen.
Spoiler: -
Charakter: Rodney McKay, John Sheppard
Kategorie: Aliens made them do it, Slash, Romance
Rating: R-16
Author’s Note: Zu Anfangs sollte das hier eine Weihnachts-FF werden, aber mittlerweile haben nur noch die ersten zwei Seiten etwas damit zu tun ^_^ Als het-Autorin hab’ ich mich mit Slash dementsprechend gequält, aber UST konnte ich auch nicht schreiben und mit Teyla/Ronon hätte ich zwar etwas anfangen können, aber nicht als Wichtel-FF.
Ich hab’ die FF für taelonmahal als Wichtelgeschenk bei sga_wichteln geschrieben – ich hoffe, sie gefällt dir.
Widmung: Natürlich für taelonmahal, aber auch für cuina, sheliarania und cliff86, die alle an meinem Gejammer teilhaben durften ;)
Disclaimer: MGM Television Entertainment
Feedback: Mein – fast – erster Slash :) Demnach: Sehr gerne :)

Body and Soul


Leise rieselt der Schnee...
Oh ja, und hätte es in Atlantis geschneit, so wären wohl auch hier die Flocken mit dem leisen, knisternden Geräusch auf das Dach gefallen, hätten die Balkone geschmückt. Doch Atlantis war der – wie John Sheppard es zu sagen pflegte – ‚große Bruder’ von Venedig, was so viel bedeutete, wie, dass die Stadt sich mitten im Nirgendwo, umgeben von riesigen, salzigen Wassermassen befand und wie auch schon das kleinste Schulkind in Kanada wusste, hielt der Ozean das Klima relativ konstant.
Rodney konnte sich nicht darüber beschweren, dass er das zweite Weihnachten in Folge ohne Schnee verbrachte, aber trotz der nicht besonders eisigen Temperaturen war es auch nicht sehr warm und er musste sich eingestehen, dass er fror. Sehr sogar und unter heftigem Zittern schlang er seine Arme fester um seinen Körper, versuchte das letzte bisschen Wärme in seiner dünnen Atlantisjacke zu halten. Er hatte sich geweigert, zivile Kleidung anzuziehen und repräsentierte somit seinen Standpunkt, dass Weihnachten pure Zeitverschwendung und ein einziges großes Fressen war; nun ja, gegen letzteres hatte er nicht unbedingt etwas einzuwenden.
Mit einem leisen Seufzen kramte er ein paar Plätzchen aus seiner vollen Jackentasche, die er dort egoistischer Weise versteckt hatte und wenn er ehrlich war, empfand er es nicht als Egoismus. Natürlich, die Anderen mochten das so sehen, sie hielten ihn auch für arrogant, unduldsam und hysterisch, doch essen hatte er immer als Trost empfunden und außerdem waren das die einzigen Plätzchen, die keinerlei Zitrusfrüchte enthielten, da war es doch wohl gerechtfertig, dass er alle für sich beanspruchte. Jeder Andere konnte noch die neun anderen Sorten essen, nur er nicht und so war es kein Egoismus mehr, sondern pure Gerechtigkeit.
Rodney gab ein entschlossenes Schnauben von sich und das Plätzchen verschwand in seinem Mund, allerdings musste er feststellen, dass ihn auch der angenehm süße Geschmack nicht trösten konnte.
Weihnachten, das Fest der Liebe; pah. Wann war es das jemals gewesen? – Niemals. Jedes Weihnachten, das er erlebt hatte, war im Streit geendet und obwohl er sich seit jeher auf die Geschenke freute, konnte er dem Fest immer weniger abgewinnen. Andere Kinder verbanden mit Weihnachten ein paar Tage, die sie gemeinsam mit ihren Familien verbrachten, er hatte es immer nur mit einem Elternteil und seine Schwester verbracht. Seine Eltern waren eigentlich viel zu beschäftigt für Weihnachten gewesen und Jeannie war früh ausgezogen, sodass für ihn die Festtage so waren wie alle anderen – hektisch und einsam.
Das Weihnachten letztes Jahr war ausnahmsweise mal ein erstaunlich angenehmes gewesen, ruhig und auf eine erfüllende Weise harmonisch. Hier in Atlantis hatte er zwar keine Familie – nicht, dass er das bedauert hätte - nein, er hatte seine Freunde. Elizabeth – wohl die einzige Person, die es länger mit ihm in einem Raum aushielt, ohne einen Wutanfall zu bekommen - Radek – okay, vielleicht war Elizabeth doch nicht die Einzige - Carson – auch ein sehr geduldiger Mensch - Teyla und auch John Sheppard. Wegen genau diesem stand er allerdings hier draußen und fror. Es mochte kindisch sein, aber seine ohnehin mangelnden sozialen Fähigkeiten waren mit der momentanen Situation schlicht weg überfordert und die Angst, eventuell das Pech zu haben, mit John unter einem Mistelzweig zu landen, verfolgte ihn ständig. Diese verdammten, hässlichen Äste hatte es überall, sie lauerten über jeder Türschwelle und es war wirklich nicht so, dass er paranoid war, nein, er selbst hatte heute schon die fragliche Ehre gehabt, Elizabeth zu küssen, was nicht nur ihr, sondern auch ihm schrecklich peinlich gewesen war.
„Scheinbar hat dir das vorhin nicht gereicht“, durchschnitt plötzlich eine Stimme die friedliche Stille und Rodney zuckte unwillkürlich zusammen.
Er fuhr herum und sah John am Türrahmen lehnen, seinen Blick auf etwas gerichtet, das sich zweifellos über seinem Kopf befand. Mit Seufzen sah er nach oben und erblickte einen eben jener verfluchten Mistelzweige, weshalb er entnervt mit den Augen rollte und dann wieder John ansah.
„Was willst du?“, fragte er ungehalten und verschränkte die Arme vor der Brust. „Lass mich zufrieden.“
„Es ist Weihnachten“, erwiderte sein Gegenüber gelassen und machte keine Anstalten zu gehen. „Und du stehst hier draußen und zitterst wie Beckett im Jumper.“
„Ich entscheide selbst über meine Körpertemperatur“, antwortete Rodney bissig und versuchte ein Zähneklappern zu unterdrücken. „Wenn Sie sich nun wieder dem weihnachtlichen Singsang und dem ganzen Kram widmen würden, Colonel.“
Er machte eine nickende Geste in Richtung Tür und John warf einen demonstrativen Blick über die Schulter, rührte sich allerdings nicht vom Fleck.
„Das ist doch lächerlich“, meinte er schließlich und schlang die Arme um seinen Körper. „Es wird Zeit, dass wir darüber reden!“
„Reden?“, wiederholte Rodney und gab ein verächtliches Schnauben von sich. „Sie scheinen mir nicht die Art Mann zu sein, die viel redet, Colonel.“
Er war wieder zu Rang und höflicher Anrede gewechselt, um mehr Distanz zwischen sie beide zu bringen und er wünschte sich im Moment nichts sehnlicher, als dass John einfach wieder nach drinnen verschwinden und ihn hier draußen stehen lassen würde. Andererseits jedoch wollte er, dass er eben genau das nicht tat, dass er sich um ihn kümmerte und sorgte.
„Tut mir Leid, dich enttäuschen zu müssen“, antwortete John ungerührt und Rodney studierte für einen kurzen Moment seine Gesichtzüge, suchte ein Anzeichen dafür, dass er verletzt war.
„Es gibt nichts zu reden“, erwiderte er schließlich und schnitt eine verärgerte Grimasse. „Es ist passiert, basta.“
Warum zur Hölle sah man John viel weniger an, dass er fror? Wieso schaffte er es bloß immer, auch klitschnass, vor Dreck triefend oder halb erfroren seine Würde zu wahren und warum wurde er selbst dadurch jedes Mal so verdammt nervös? Seinen Zorn unterdrückend richtete sich Rodney zu seiner vollen Größe auf und versuchte Entschlossenheit zur Schau zu tragen, was ihm kläglich misslang.
„Basta“, wiederholte John und nun war er an der Reihe verächtlich zu schnauben. „Ist ja alltäglich, dass man wie eine Laborratte behandelt und zu ‚sozialen Studien’ missbraucht wird.“
Zum ersten Mal seit ihrer Rückkehr sah Rodney, was wirklich unter der Oberfläche brodelte und erkannte, dass John über das Geschehene ebenso aufgebracht war wie er. Seine Stimme hatte einen wütenden Klang und strotze nur so vor Sarkasmus, was wiederum Rodneys Zorn aufs Neue schürte.
Ich habe ja gleich gesagt, dass an der Sache irgendetwas faul ist, aber Sie wollten mir nicht glauben!“, setzte er zu einer Antwort an, doch John winkte ab.
„Ja, ja“, meinte er abfällig und ignorierte die Tatsache, dass Rodneys Gesicht feuerrot anlief. „Du wusstest es natürlich wieder einmal besser! Das hat dich aber nicht daran gehindert, ihnen trotzdem auf den Leim zu gehen.“
Sein Gegenüber schnitt eine verletzte Grimasse und presste dann kurz die Lippen aufeinander.
„Tatsache ist,...“, begann er und machte eine Kunstpause. „...dass das alles nicht passiert wäre, wenn ich bei klarem Verstand gewesen wäre!“
„Warst du aber nicht und ich auch nicht!“, antwortete John prompt und seine Stimme wurde lauter. „Und ja, verdammt, es ist passiert und ja, es lässt sich nicht mehr rückgängig machen und genau deshalb müssen wir jetzt damit zurrecht kommen, wenn keiner von uns vorhat, die Expedition frühzeitig zu verlassen!“
Johns Faust schlug gegen die Brüstung und ein dumpfes, summendes Geräusch erklang. Er widerstand der Versuchung, das Gesicht zu verziehen und über seine schmerzende Hand zu reiben, blickte stattdessen starr in Rodneys Augen.
Dieser wandte den Kopf zur Seite, ballte die Hände zu Fäusten und stürmte dann kommentarlos an John vorbei. Der Colonel blickte ihm resigniert nach und beschloss dann, das Thema für heute Abend auf sich beruhen zu lassen, da Rodney sich jetzt ohnehin in seinem Quartier verkriechen würde.

Weihnachtslieder hatten diese störende Angewohnheit einen zu verfolgen, auch wenn man den Ort, wo sie leise aus den Lautsprechern gerieselt waren, schon lange verlassen hatte. Es schien nicht einen einzigen Song zu geben, der keinen Ohrwurmcharakter hatte und in Rodneys Kopf schwirrte ‚Last Christmas’ im Kreis. Von allen nervigen Weihnachtsliedern gehörte dieses zu den nervigsten und nicht zum ersten Mal wünschte er sich, er wäre auf der Erde, um die Gruppe ‚Wham!’ wegen Körperverletzung zu verklagen. Zu seinem Unglück befand er sich allerdings in einer anderen Galaxie und somit zu weit von einem Gericht, aber bedauerlicherweise nicht weit genug von Weinachten entfernt. Selbst die Atheisten oder auch die Teammitglieder, die eine andere Religion hatten, feierten mit und Rodney presste stöhnend sein Kopfkissen auf sein Gesicht, in der Hoffnung es würde ihn ersticken oder zumindest die Weihnachtslieder verstummen lassen.
Es schien, als würde Weihnachten auf ewig ein verfluchter Tag sein und ihm nichts als Pech bringen, obwohl es dieses Mal die Adventszeit gewesen war, die versucht hatte, sein zerbrechliches Ich in kleine Stücke zu zerlegen.
Alles hatte harmlos angefangen, sie waren auf die Oali getroffen – ein sehr neugieriges, aber freundliches Volk – und die Verhandlungen waren erstaunlich gut verlaufen; bis zu jenem traditionellen Fest der Oali, wo ihre Neugierde nach menschlichen Maßstäben kriminelle Züge angenommen hatte.
Rodneys Erinnerungen waren nur noch schemenhaft und zum Einen begrüßte er das, zum Anderen hätte er gerne erfahren, was genau passiert war. Es gab nur noch einzelne Bilder, die zusammenhanglos aus der Dunkelheit hervor schwebten und er erinnerte sich an einen Cocktail, der seltsam in allen Farben geschimmert hatte. Er wusste weder, wie er dazu gekommen war, noch, ob er davon getrunken hatte, aber das hatte er wohl, denn danach begann der Filmriss.
Das nächste Bild war... nun ja... eindeutig und immer, wenn es vor seinem inneren Auge auftauchte, durchlief ihn ein – sehr zu seinem Unbehagen – wohliger Schauer und er fühlte Johns heiße Haut auf seiner, das struppige Haar zwischen seinen Fingern. Auch wenn er bis oben hin mit irgendeinem Zeug abgefüllt gewesen war, bestand an seinem Genießen kein Zweifel und er wusste noch nicht einmal mehr, ob er nicht der Initiator der Sache gewesen war. Wahrscheinlich war dem so und beim bloßen Gedanken daran, drückte Rodney das Kissen fester auf sein Gesicht und spürte, wie Hitze in seine Wangen schoss. John Sheppard war ein Frauenheld und es war allgemein bekannt, dass es in Atlantis mehrere Vertreter der Damenwelt gab, die Interesse an ihm hatten, warum zur Hölle hätte er also einen Grund haben sollen, sich mit ihm abzugeben? Die einzige logische Antwort war wohl, dass sein Verstand ebenso benebelt gewesen war wie Rodneys und sich keine der Damen in greifbarer Nähe befunden hatte – bei diesem Gedanken spürte er einen kleinen Stich und erschrocken riss er das Kissen vom Gesicht.
Nein, nein, nein, das war eine ganz schlechte Einsicht. Er und... homosexuell, schwul, vom anderen Ufer?! Ganz bestimmt nicht, da gab es ja Samantha Carter, für die er größte Bewunderung hegte, dann natürlich noch Kate Heightmeyer und in seltenen Augenblicken auch Elizabeth, wie hätte er da bitte an Männern interessiert sein können? – Völlig unmöglich, absurd!
Bedauerlicherweise ließ sich diese – abwegige – Erkenntnis mit weiteren Erinnerungen untermauern; das wunderbare Gefühl am Morgen danach in Johns Armen aufgewacht zu sein und für einen Moment einfach nur den Frieden und die Geborgenheit genossen zu haben, bis sich der normalerweise geliebte, aber in diesem Moment einfach nur lästige Verstand eingeschaltet und der Alarm losgeschrillt, überdeutlich verkündet hatte, dass etwas falsch war, dass es niemanden gab, in dessen Armen er hätte aufwachen können, ganz zu schweigen von den verräterischen Kopfschmerzen.
Die Illusion von Frieden war augenblicklich verpufft und als sein Blick auf John gefallen war, hatte er nicht anders können und war rückwärts aus dem Bett gefallen, hatte die Bettdecke mit sich gerissen und ihm hatte sich ein äußerst angenehmer – nein – peinlicher Ausblick präsentiert. Leider war John durch die plötzliche Kälte, die seinen nackten Körper umhüllt hatte, ebenfalls aufgewacht und nach der ersten Verwirrung, hatte er prompt die andere Bettseite als Ausstieg genommen. Die nächsten Sekunden hatten für Aussehende – die es zum Glück nicht gegeben hatte – göttlich aussehen müssen, doch Rodney hatte nichts Anderes fertig gebracht, als John perplex und – ausnahmsweise einmal – sprachlos anzustarren und ihm war es ähnlich ergangen.
Schließlich war es Rodney gewesen, der aufgestanden war, die dünne Bettdecke krampfhaft um seinen Körper gewickelt und seine Kleidungsstücke aufgesammelt hatte.
Wenn er sich davor noch der Illusion hingeben hatte können, dass eventuell gar nichts weiter passiert war, sie einfach nur ins Bett gefallen und sofort eingeschlafen waren, so hatte er bei jedem Bücken schmerzhaft erkennen müssen, dass dem garantiert nicht so war – scheinbar gestaltete sich der Sex zwischen Mann und Mann etwas komplizierter als der zwischen Mann und Frau.
Nachdem er sich hastig angezogen und ohne John eines Blickes zu würdigen aus dem Hotelzimmer – wie auch immer sie dort hingekommen waren – gestürmt war, hatte es nur zwei Dinge gegeben, um die sich seine Gedanken immer wieder gedreht hatten: Hatte jemand etwas davon mitbekommen und wie zur Hölle sollte er damit zurecht kommen, mit einem Mann geschlafen zu haben? Punkt eins war zum Glück negativ ausgefallen, aber Punkt zwei war nach wie vor ein Problem.
Es gab diese verdammte Erkenntnis, dass er die Stunden mit John genossen hatte, aber sein Verstand weigerte sich, seine Gefühle anzuerkennen. Wie groß war auch die Wahrscheinlichkeit, dass John das Gleiche empfand wie er? Geringer als gering und so versuchte Rodney, sich gar nicht erst damit anzufreunden, sondern gleich so weiter zu machen wie bisher. Es galt das Geschehene als Erfahrung abzuhaken und dann Gras über die Sache wachsen zu lassen – allerdings wusste er zu gut, wie schwer das sein würde. Nur weil er beschlossen hatte, nicht weiter darüber nachzudenken - was ohnehin nicht funktionieren würde, weil sich sein Gehirn praktisch immer damit beschäftigte - würde sein Unterbewusstsein nicht damit aufhören, ihn fast jede Nacht auf erotische Abenteuer zu schicken, womit er an sich kein Problem hatte, nur der Gegenpart passte seinem, seiner Ansicht nach, heterosexuellen Ich nicht.
Rodney seufzte resigniert und presste dann die Lippen aufeinander, ehe er aufstand und zu seinem Schreibtisch hinüber ging – Arbeit war immer noch die beste Möglichkeit, um zu vergessen.

Seine Lippen waren so unglaublich weich, viel weicher als er Gedacht hatte und John bekam einfach nicht genug davon, ihn zu küssen. Rodneys Haut war heiß und so zart wie die eines Kindes, sodass es unmöglich war, die Finger von ihm zu lassen und das schnurrende Geräusch, das Rodney von sich gab, löste in ihm sowohl Amüsement, als auch ein wohliges Gefühl aus.
Ein Schauer durchlief ihn, als er den Kuss intensivierte und er ein sanftes Ziepen verspürte, als Rodney durch seine ohnehin verwuschelten Haare fuhr.
Sein Verstand fühlte sich seltsam benebelt an, seine Umgebung war in letzter Zeit erstaunlich farbenfroh und hell geworden und er fühlte sich seltsam leicht und beschwingt. Und – das konnte er unmöglich leugnen – er empfand ein Verlangen nach Rodney, er wollte ihn spüren, ihn berühren.
Dem Kanadier schien es ähnlich zu gehen, denn er riss ihm das Jackett fast vom Leib und machte sich dann trotz der offensichtlichen Eile daran, sein Hemd aufzuköpfen, anstatt es aufzureißen. Rodneys Finger waren ebenso heiß wie seine Haut und John erschauderte, als sie seine Brust berührten und kleine Kreise darauf zogen.


Mit einem Schlag war John wach und es dauerte ein paar Sekunden, bevor er erkannte, wo er sich befand. Sein Quartier war dunkel, er lag auf der Seite und die Bilder des Traumes hingen noch allzu deutlich in der Luft, ganz zu schweigen von seiner körperlichen Reaktion darauf. Er fühlte auch nach dem Aufwachen noch Rodneys Finger auf seiner Haut und der intensive Kuss prickelte immer noch auf seinen Lippen; fast glaubte John, Rodney zu schmecken.
Zugegen, obwohl er sich nur noch schemenhaft an das Vorgefallene erinnerte, hatte er sowohl daran, als auch an den Träumen Gefallen gefunden. Er fand daran nichts Verwerfliches und wusste auch, dass die Zeit hier in Atlantis das ganze Team Toleranz gelehrt hatte. Es war nun einmal passiert und auch, wenn es ihm nicht übermäßig in den Kram passte, konnte er daran nichts ändern und derartig einzuschnappen wie Rodney es getan hatte, kam für ihn gar nicht in Frage. Sie würden damit klar kommen müssen und sein einziges Problem an der ganzen Sache lag eigentlich bei Rodney, da sich dieser anstellte, als würden sie vor dem Weltuntergang stehen.
Ihm selbst war früher bei der Vorstellung mit einem Mann zu schlafen ein kalter Schauer den Rücken hinunter gelaufen, so hatte er doch immer mehr Gefallen am weiblichen Geschlecht gefunden, doch nun hatte er diese Erfahrung gemacht und er zog die positiven Seiten heraus. Er besaß lediglich ein paar Erinnerungen und diese waren verschwommen, aber es hatte ihm durchaus gefallen und mit einem Seufzen schwang John die Beine über die Bettkante. Er würde jetzt erst einmal eine Dusche nehmen und danach konnte er sich immer noch über seine neuentdeckten, bisexuellen Neigungen den Kopf zerbrechen.

Die beiden Weihnachtsfeiertage inklusive Bescherung gingen vorbei, ohne dass sich Rodney und John einmal in die Augen sahen. Ihre Geschenke überreichten sie mit einem leise gemurmelten ‚Frohe Weihnachten’ und die Antwort war ein ebenso schüchternes ‚Danke’.
John fand es lächerlich, doch er wusste sich nicht zu helfen und Rodney war die ganze Sache immer noch extrem peinlich, einmal von der Erkenntnis abgesehen, die ihn seit Heilig Abend immer wieder heimsuchte. Die Anderen schienen es nicht zu bemerken, obwohl vor allen Dingen Elizabeth, Teyla und Carson ein feines Gespür für die Stimmungslagen anderer hatten, aber wahrscheinlich waren sich schlichtweg viel zu beschäftigt damit, Weihnachten zu zelebrieren. Weder John noch Rodney störte es besonders, außerhalb des Aufmerksamkeitsfokus zu stehen und beide hätten es recht schwierig gefunden zu erklären, warum sie es nicht hinbekamen, sich wie erwachsene Menschen zu benehmen. Zugegeben, es wäre durchaus reizvoll gewesen die Gesichter nach dem Satz: ‚Wir hatten eine interessante Begegnung im Bett’, zu sehen, doch trotzdem hielten es beide für besser, die ganze Sache möglicht unter Verschluss zu halten und unter sich – oder auch gar nicht – auszumachen.
Auch die nächsten Tage zogen vorbei und eine weitere Party rückte an – Silvester. Eben dieses Fest hatte sich auf Atlantis letztes Jahr recht eintönig gestaltet, weil weder Sekt noch Feuerwerkskörper vorhanden gewesen waren und das ganze Feiern somit ins Wasser gefallen war, doch dieses Jahr hatte die Daedalus große Vorräte von beidem mitgebracht und somit sollte dem Begrüßen des neuen Jahres nichts mehr im Wege stehen – einmal davon abgesehen, dass es schon seit dem Morgen in Strömen regnete.
Die Weihnachtsdekoration hing immer noch überall herum, da noch niemand Zeit gefunden hatte, sie abzuhängen und somit hatte auch Silvester ein gewisses weihnachtliches Flair. Rodney war allerdings dankbar dafür, dass zumindest die Mistelzweige und die Weihnachtsmusik verschwunden waren und auch wenn Elizabeth ihn unbarmherziger Weise dazu verdonnert hatte, an der Feier teilzunehmen, war er ihr im Nachhinein sogar dankbar dafür, immerhin gab es Alkohol, viel Alkohol, viel zu viel Alkohol.
In einem Zug leerte Rodney sein Sektglas und ignorierte den ekelerregenden Geschmack – er hatte Sekt noch nie gemocht, einmal davon abgesehen, dass eben dieses Getränk bei ihm einschlug wie ein Asteroid auf der Erde und der Sekt seine Sinne genauso lange benebelt hielt wie der Staub die Atmosphäre.
Er wusste nicht, wie er es schaffte, auf den Beinen zu bleiben, noch, wie er das Glas tatsächlich auf einem Tisch abstellte, ohne es zerbrochen zu haben. Innerlich lobte er sich für diese reife Leistung und irgendein leises Stimmchen flüsterte ihm zu, dass er völlig betrunken war. Er zuckte überschwänglich mit den Schultern und wandte sich dann um, um sich das nächste Tablett mit gefüllten Sektgläsern zu suchen – wie viele Gläser hatte er doch gleich getrunken? Hatte er bei sechs aufgehört zu zählen oder war es neun gewesen? Nun ja, im Moment war es egal, Tatsache war, dass er zuviel Promille im Blut hatte, was sich überdeutlich bemerkbar machte, als er versuchte, den Raum zu durchqueren und eher Schlangenlinien lief.
„Rodney!“, vernahm er plötzlich eine mahnende Stimme und er drehte sich viel zu schnell herum, stolperte.
Seine Reflexe waren zu benebelt, um rechtzeitig reagieren zu können und Elizabeth war viel zu überrascht, als dass sie ihm hätte ausweichen können. Das einzig Positive an der Sache war, dass er wenigstens eine weiche Landung hatte, auch wenn Elizabeth ein paar wüste Beckenknochen hatte, die unangenehm in seinen Bauch stachen. Ihr Gesicht war seltsam einfarbig und es dauerte ein paar Sekunden, bis Rodney erkannte, dass es ihr Dekolleté war, das er in Wirklichkeit anstarrte – und ihr roter Pulli gewährte tiefe Einblicke, die ihn zu seinem Schreck völlig kalt ließen. Nein, nein, das konnte nicht sein, das war ein Ausblick, den sich so mancher Mann wünschte und er hatte ihn und wusste ihn nicht zu schätzen. Gerade als er den Arm hob, um heraus zu finden, ob sich sein Erregungszustand eventuell änderte, wenn er es mit Anfassen versuchte, packte ihn jemand grob am Oberarm und zog ihn auf die Beine.
„Ich glaube, es ist genug, Rodney“, zischte ihm eine allzu bekannte Stimme ins Ohr, wodurch ihn ein wohliger Schauer durchlief und ein Kichern unwillkürlich seinen Mund verließ.
„Nicht, John“, antwortete er lallend und zog den Namen unerträglich in die Länge. „Sonst enden wir wieder da, wo wir auf Oali gelandet sind.“
Wieder das Kichern und John warf einen entschuldigenden Blick zu Elizabeth, die mittlerweile wieder stand und genau den Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte, der einfach Gold wert sein musste.
Nur mit Mühe unterdrückte John das Gefühl, sich in aller Öffentlichkeit blamiert zu haben und bahnte sich einen Weg durch die Menschtraube, die sich aufgrund der Ereignisses gebildet hatte. Seine Hand hielt Rodneys Oberarm immer noch eisern umklammert und es war ein wahres Wunder, dass es der Wissenschaftler überhaupt schaffte, ihm zu folgen, ohne dabei zu stürzen.
„Du tust mir weh“, säuselte Rodney plötzlich, als sie die Cafeteria verließen und den leeren, dämmrigen Gang betraten.
Sehr zu Johns Erstaunen klang es nicht so wehleidig und kläglich, wie es sonst nur über die Lippen des Kanadiers kam, sondern es hörte sich viel mehr verführerisch an und er spürte, wie er darauf reagierte.
Verflucht sollte Rodney sein, für sein Schmollen, seine Verletzbarkeit und seinen Hang dazu, betrunken völlig über die Stränge zu schlagen.
Mit einem Seufzen ließ er sein Gegenüber los und dieser rieb sich mit einem kindlichen Murren über den schmerzenden Arm. John seufzte und ermahnte sich selbst zur Ruhe, wusste, dass er die Nerven behalten musste, wenn er sein momentanes Verhältnis zu Rodney nicht völlig zur Eskalation bringen wollte. Wenn er es sich recht überlegte, war es eine schlechte Idee gewesen, den Kanadier in sein Quartier zu geleiten, jeder Andere wäre besser geeignet gewesen.
„Ich werde dich in dein Quartier bringen“, meinte John schließlich und blickte Rodney abwartend an.
Dieser nickte schließlich und machte einen taumelnden Schritt vorwärts, weshalb sein Gegenüber einsah, dass sie so nicht weit kamen. Mit einem innerlichen Flehen, dass sie das Quartier möglichst schnell erreichen würden, legte John Rodneys Arm um seine Schulter, um ihn so zu stützen.
„John“, setzte sein Schützling erneut an und zog seinen Namen wieder auf diese unerträgliche Art und Weise in die Länge, wie es nur Betrunkene konnten. „Ich sag’s ja nur sehr ungern, aber ich glaub’, mein Magen will die drei Sandwichs wieder loswerden.“
Auch das noch. Warum? Womit zum Teufel hatte er das verdient?
„Schaffst du es, bis in dein Quartier?“, fragte er hoffnungsvoll nach und ein leicht besorgter Unterton schwang in seiner Stimme mit.
Vielleicht war Rodney auf der Krankenstation doch besser aufgehoben, immerhin konnte man sich nicht wirklich sicher sein, dass er sich nicht auch noch eine Alkoholvergiftung zugezogen hatte.
„Ich weiß nicht“, antwortete der Kanadier vage und John verzog gequält das Gesicht.
Wenn sich Rodneys Magen dazu entschloss, sich zu entleeren, bevor sie das Quartier erreicht hatten, dann würde jemand putzen müssen, was dafür sorgte, dass die allgemeine Laune rapide absank. An Silvester und auch bei anderen Partys hatte es früher immer eine Regel gegeben: Erbrochen wird nicht und wer es doch tut, der putzt.
John beschleunigte seine Schritte und schleifte Rodney mehr oder weniger neben sich her. Ein Blick in das Gesicht des Wissenschaftlers verriet ihm, dass sich die Situation weiter zuspitze, da er zuerst bleich wurde und sich dann ein leicht grüner Schatten über seine Haut legte.
„Wir sind gleich bei deinem Quartier“, versuchte er Rodney zu trösten, als dieser vom Elend gepeinigt den Kopf hängen ließ.
„Kommst du mit?“, fragte er trotz allem und zerrte den Kanadier nach recht, als er links abbiegen wollte.
„Na, irgendjemand muss ja wohl dafür sorgen, dass du es überhaupt in dein Bett schaffst“, antwortete er mit einem Grinsen und genoss es, so frei mit dem Wissenschaftler umgehen zu können.
Es war eine Weile her, dass er in seiner Anwesenheit gescherzt hatte und das Ereignis hatte ihr Verhältnis doch extrem belastet. Vielleicht würde sich das nach diesem Abend ändern, aber wenn John ehrlich zu sich selbst war, bezweifelte er das.
Es dauerte nicht mehr lange, bis sie Rodneys Quartier erreicht hatten und nicht zum ersten Mal war John dankbar dafür, dass er in der Lage war, durch Gedankenkontrolle Türen zu öffnen. Kaum waren sie eingetreten, sackten Rodney erneut die Knie weg und dieses Mal konnte John ihn nicht halten, ließ ihn stattdessen sanft zu Boden gleiten.
„Alles okay?“, hakte er nach und gab dem Wissenschaftler einen Moment.
„Ja... Ja...“, antwortete er abgehackt und verbarg die Augen unter seinen Händen. „Die Welt... dreht sich nur... etwas... viel.“
„Sicher, dass du nicht Beckett brauchst?“, fragte John und half Rodney langsam in eine sitzende Position.
„Geht schon“, murmelte dieser als Antwort und schluckte plötzlich schwer. „Bad... BAD!“
John erkannte schnell, was er damit sagen wollte, zog ihn auf die Beine und schob ihn in Richtung des rettenden Zimmers. Kaum hatten sie es erreicht, fiel er auch schon auf die Knie und John schaffte es gerade noch, den Toilettendeckel zu haben, bevor sein Magen seinen Inhalt endgültig loswerden wollte.
Tröstend strich ihm John über den Rücken, als sein Körper von den Krämpfen geschüttelt wurde und versuchte den intensiven Geruch zu ignorieren, um nicht selbst Opfer seines Magens zu werden, der im Bezug darauf extrem empfindlich war.
„Ganz ruhig, Rodney“, meinte er und sein Gegenüber antworte ihm lediglich mit einem Husten, bevor der letzte Rest des Halbverdauten erneut den falschen Ausgang nahm.
Erschöpft lehnte sich der Kanadier neben der Toilette an die Wand und schloss die Augen.
„Besser?“, fragte John vorsichtig nach, stand kurz auf, um ein Handtuch zu holen.
Er hielt das Stück Stoff kurz unters Wasser und reichte ihn dann Rodney, der es gegen sein Gesicht drückte und leise stöhnte.
John beschloss ihm etwas Ruhe zu gönnen und ließ sich dann neben dem Wissenschaflter auf den Boden sinken, blickte die gegenüberliegende Wand an und fand, dass die ganze Situation etwas Amüsantes hatte. Wenn einer von ihnen sturzbetrunken sein musste, damit sie miteinander reden konnte, dann sollte es wohl so sein, auch wenn John sich sicher war, dass Rodney morgen nicht mehr allzu viel davon wusste.
„Hat was von Oali“, murmelte der Wissenschaftler und sein Gegenüber sah durchaus die Parallelen, allerdings hatte er nicht vor, den Abend so enden zu lassen, wie der auf Oali geendet hatte – obwohl es durchaus seinen Reiz hatte, andererseits gab es meistens nur Ärger, wenn man sich mit Leuten einließ, die aufgrund von Alkohol die Kontrolle verloren hatten.
„Komm“, meinte John schließlich, stand auf und half Rodney ebenfalls auf die Beine. „Zeit fürs Bett.“
Dieser schwankte beträchtlich, taumelte aber trotzdem erst einmal zum Waschbecken und spülte seinen Mund aus. Daran zu denken, den Wasserhahn auch wieder abzustellen, schien er nicht und John bekam eine ungefähre Ahnung, wie betrunken Rodney war – genau genommen, war er sternhagelvoll. Mit einem innerlichen Seufzen stellte John das Wasser ab und kümmerte sich dann wieder darum, seinen Schützling heil ins dunkle Schlafzimmer zu bekommen, was sich reichlich schwierig gestaltete, da er trotz Johns Stütze so sehr schwankte, dass er es nur mit Mühe durch die Türe schaffte, ohne mit dem Türrahmen zusammenzustoßen.
„Verdammt, Rodney“, murmelte John und schüttelte den Kopf. „Wenn du jemals wieder so viel Alkohol trinkst, dann bleibst du da liegen, wo das Koma über dich herfällt.“
Zu seinem Glück schien der Angesprochene den Satz nicht verstanden zu haben, denn er viel schlapp auf das Bett und regte sich nicht mehr. John zog die Augenbrauen nach oben und kam dann zu dem Schluss, dass Rodney nicht mehr in der Lage dazu war, sich selbst seiner Uniformjacke und den Schuhen zu entledigen. Die Turnschuhe waren schnell abgehakt, aber die Jacke war eine neue Herausforderung, da Rodney lag und partout nicht dazu bewegen war, in einer sitzenden Position zu verharren. Nur mit Mühe konnte ihm John das Kleidungsstück ausziehen, während er Rodney neben her stütze und mit einem zufriedenen Lächeln hängte er die Jacke über einen Stuhl, nachdem er es geschafft hatte.
„John?“, meinte Rodney plötzlich und zerstörte damit Johns Verdacht, er wäre schon eingeschlafen.
„Hm?“, hakte er nach und stemmte die Hände abwartend in die Hüfte.
„Zudecken“, verlangte der Wissenschaftler und John fragte sich, wie viel inneres Kind er heute noch zu sehen bekommen würde.
Mit einem ergebenen Seufzten zog er die Bettdecke unter Rodney hervor und legte sie über ihn, was dieser mit einem leise gemurmelten ‚Danke’ quittierte. John zuckte in der typischen ‚Keine Ursache’-Geste mit den Schultern und ging dann ins Bad, um nach Aspirintabletten zu suchen, die Rodney morgen garantiert noch brauchen würde.

Oh Gott, wer brandmarkte sein Gehirn? Welcher widerliche Bastard wagte es, ihn so zu peinigen? Und warum zur Hölle meinte sein Magen, er würde Achterbahn fahren? Wer verdammt noch mal hatte ihn bloß überfahren? Rodney fühlte sich schlichtweg grauenvoll und die Erinnerungen brauchten ihre Zeit, bis sie sich wieder zusammen gesetzt hatten. Er erinnerte sich an sein kleines, großes Besäufnis, an die – oh Gott, was hatte er getan? – Kollision mit Elizabeth und die Tatsache – verdammt – dass ihn John in sein Quartier geleitet hatte. Das war aber auch alles und ihn beschlich der grausige Verdacht, dass er eventuell etwas bezüglich der Sache auf Oali gesagt hatte – bitte nicht!
Mühevoll öffnete er ein Auge und verfluchte die Sonne, die meinte, fröhlich in sein Quartier scheinen zu müssen – darum hatte er nicht gebeten, gestern hatte es doch auch nur geregnet, warum also jetzt? – Um ihn zu ärgern, die Welt hatte Spaß daran ihn zu ärgern, oh ja, wurde er vielleicht paranoid? Abrupt schnitt Rodney die Gedankengänge ab und konzentrierte sich auf das Wesentliche, nämlich überhaupt einmal aus dem Bett zu kommen, was für diesen Morgen schon eine reife Leistung gewesen wäre – zugegeben, er hatte es verdient.
Mit einem gequälten Ächzen stemmte er sich in die Höhe und schwang die Beine über die Bettkante, wobei ihm die Packung Aspirintabletten und das Glas Wasser ins Auge fielen und er einen Anflug von Dankbarkeit verspürte. Rasch schluckte er zwei Aspirin und hoffte, dass sie möglichst schnell wirkten, während er versuchte, sich zu orientieren.
Doch plötzlich ertönte ein Klopfen und das Geräusch hallte unerträglich in Rodneys Kopf wieder, ließ seine Laune noch tiefer sinken, als sie ohnehin schon war.
„Was?“, zischte er verärgert und stellte bitter fest, dass ihm selbst das Sprechen Schmerzen bereitete.
Ein fröhlich pfeifender John betrat sein Quartier und Rodney hatte ihn im Verdacht, ihn aus purem Sadismus ein bisschen zu quälen, da sein Besucher von allen am besten wusste, wie es momentan um ihn stand. Als John ihn allerdings erblickte, spiegelte sich tatsächlich Mitleid auf seinem Gesicht wieder und so nahm sich Rodney zumindest vor, seine Antworten nicht allzu patzig ausfallen zu lassen, immerhin hatte er ihm einiges zu verdanken.
„Guten Morgen“, meinte John schließlich und lächelte.
„Ich bezweifele, dass er gut ist“, murmelte Rodney und rieb über seine Stirn, hinter der jemand mit dem Presslufthammer arbeiten musste.
„Na ja, du hast gestern Abend unsere Sektvorräte vernichtet“, erwiderte John fröhlich und sein Gegenüber schnaubte abfällig.
„Nicht nur das“, meinte er und sah sich vorsichtig nach seiner Uniformjacke um – auch an Silvester hatte er sich aus Protest geweigert, zivile Kleidung zu tragen. „Ich hoffe, Elizabeth ist in Ordnung.“
„Sie hat vorhin was von einem großen, blauen Fleck erzählt“, antwortete John und verschränkte die Arme unschuldig hinter dem Rücken. „Aber du weißt doch, sie ist hart im Nehmen.“
„Ja, ja“, murrte Rodney, winkte ab und beschloss, sich keine weiteren Gedanken darüber zu machen, ob sein Gegenüber ihn gerade auf den Arm genommen hatte.
„Alles soweit okay?“, fragte John schließlich und musterte den Kanadier. „Wirken die Aspirin schon?“
„Ha, ha“, meinte Rodney äußerst unamüsiert und stand vorsichtig auf. „Ich konnte sieben Tage nicht mehr richtig sitzen, ich bin Schmerzen gewöhnt. Machen Sie sich keine Sorgen, Colonel.“
Zugegeben, ein wüster Seitenhieb und er schlug ein, da Johns gute Laune augenblicklich verpuffte und er etwas betreten zu Boden sah.
„Tut mir Leid“, murmelte er und Rodney winkte ab.
„Schon gut“, antwortete er und nun war er es, dem es Leid tat.
„Weißt du, Rodney“, begann John plötzlich und sah an ihm vorbei aus dem Fenster, bevor er ihn fixierte. „Hast du dir schon einmal überlegt, dass es gar nicht so schlecht war, was auf Oali passiert ist?“
„Bitte?“, hakte der Wissenschaftler nach und glaubte, sich verhört zu haben. „Wir wurden unter Drogen gesetzt und haben Etwas getan, über das wir beide lieber nicht reden möchten und du findest es gar nicht so schlecht?“
Immerhin – so meinte John – hatte er damit erreicht, dass ihn Rodney auch im nüchternen Zustand duzte.
„Na ja, aber wäre etwas passiert, wenn... wenn wir völlig anders orientiert gewesen wären?“, fragte er weiter und der Kanadier war höchst erstaunt darüber, dass er sich so kompliziert ausdrücken konnte.
„Wir konnten beide keinen klaren Gedanken mehr fassen“, erwiderte er und zog seine Uniformjacke an. „Es hätte alles passieren können, aber das ist nun mal das Ergebnis.“
„So denkst du also darüber?“, fragte John und Rodney glaubte, einen Hauch von Enttäuschung heraus hören zu können.
„Na ja“, meinte er schließlich verunsichert. „Wie denkst du denn darüber?“
„Offen gestanden“, begann John und biss sich unruhig auf die Lippen.
Entweder er log oder er sagte die Wahrheit und für einen Moment wog er beides ab, bevor er sich entschied.
„Rodney, ich will nicht behaupten, dass ich davor jemals einen Gedanken daran verschwendet hätte, aber... wenn ich es mir recht überlege, dann... fand ich es... gar nicht so schrecklich, genauer gesagt, hat es mir gefallen“, meinte er und schnitt dann eine Grimasse. „Zumindest der Teil an den ich mich erinnern kann. Nicht nur das, ich habe gemerkt, dass ich etwas für dich... empfinde.“
Für einen Moment stand Rodney einfach nur bewegungslos da und konnte nicht anders, als John anzustarren. Was hatte er doch gerade gesagt? Es hatte ihm gefallen?! John Sheppard, der Frauenheld schlechthin, fand doch Interesse an Männern, an ihm? Nein, das konnte er nicht gesagt haben, sein verkatertes Gehirn spielte ihm einen Streich, das war doch völlig...
„Rodney?“, riss ihn John aus den Gedanken und ein besorgter Blick traf ihn. „Alles okay?“
Okay, ob alles okay war? Nein, seine kleine Welt war gerade endgültig aus den Fugen geraten, was sollte das?
Er brachte gerade mal ein kurzes Kopfschütteln zustande, zeigte aber anderweitig keine Regung und so seufzte John schließlich leise.
„Ich weiß, dass ich damit wahrscheinlich mit der Tür ins Haus gefallen bin, anstatt höflich anzuklopfen und ich nehme auch nicht an, dass du ähnlich fühlst, aber...“, versuchte er zu erklären, doch Rodney brachte ihn mit einem weiteren kurzen Kopfschütteln zum Schweigen.
„Ich hab’ die letzten Wochen viel mit Nachdenken verbracht und auch...“, er brach ab und atmete tief durch – er war gerade nicht nur dabei, John, sondern auch sich selbst etwas einzugestehen. „...auch wenn ich diese Tatsache zuerst nicht unbedingt... als besonders... positiv empfand, so denke ich doch nicht, dass... Na ja, der P-Punkt ist, d-dass...“
John war es schließlich, der die nächsten Worte erahnte und in einer schlichten Geste die Hand ausstreckte. Augenblicklich ergriff sie Rodney und ließ sich von John in die Arme ziehen, brauchte in dem Moment seine Stärke und bewunderte ihn dafür, den ersten Schritt gemacht zu haben.
„Danke“, murmelte er leise und erwiderte die Umarmung.
Er wusste nicht, wie lange sie dort standen und sich nicht regten, aber Rodney genoss jede verstreichende Sekunde in vollen Zügen, liebte es, John zu riechen und seine Wärme zu spüren. Das hier war besser als jeder Alkohol – man bekam immerhin keine grauenvollen Kopfschmerzen.
Schließlich lösten sie sich voneinander und sahen einander stumm in die Augen, lasen schweigend die Fragen und gaben Antwort, bis sich schließlich John langsam zu ihm herunter beugte und ihn zögernd küsste. Rodneys Lippen waren genauso weich wie er sie in Erinnerung gehabt hatte und das bekannte Prickeln erfüllte ihn – es fühlte sich schlichtweg wunderbar an.
Es hatte Umwege gebraucht, um sie beide an diesen Punkt zu bringen und auch wenn es für sie beide unbekanntes Gebiet war, so würden sie doch zusammen den Mut finden, es zu beschreiten. Es gab immer noch Dinge, die sie zu klären hatten und auch in Zukunft würde es mit Sicherheit Probleme geben, aber sie konnten sie zusammen bestehen und das war Etwas, was ihnen beiden Kraft gab.
Gemeinsam sind wir stark.

~Fin~

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