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Wichteln für Pegasusuroborus

Hallo und fröhliche Weihnachten.
Hier ist meine Wichtelgeschichte für ninnui. Sie hat sich entweder eine romantische McWeir Geschichte gewünscht oder eine John/Carson fluff story...ähem. Ich habe mich für die John/Carson Geschichte entschieden (was für eine Überraschung...*lol*) und hier ist sie. Viel Spaß und eine ruhige, friedvolle Weihnachtszeit für Euch alle.

Bev



Titel: The comfort Zone
Autor: Beverly
Rating: NC-17
Beta: Aisling, die Wunderbare
Summary: Carson Beckett versucht die Weihnachtstage zu überleben...


„Where is my comfort zone
a simple place to call my own?
‘cause everything I wanna be
comes crashing down on me.”
Annie Lennox “Pavement Cracks”
From the Album “Bare” 2003


Weihnachten stand vor der Tür. Auch und vielleicht gerade hier in der Pegasus Galaxie. Einfache Dinge, wie sich auf dieses Fest vorzubereiten gab den Menschen, die hier lebten, das Gefühl der Verbundenheit mit der Heimat. Überall, wo man hinsah, erblickte man in diesen Tagen lächelnde Gesichter. Sogar Rodney McKay, das Atlantis-eigene Genie, schien versöhnlicher zu sein als sonst und ließ sich sogar einmal - in einem unbeobachteten Moment natürlich - dazu herab, seinen Kollegen Zelenka zu loben.

Mit einem Strahlen in den Augen schlenderte Elizabeth Weir durch die Gänge ‚ihrer’ Stadt. Es war eine gute Entscheidung gewesen, den Leuten in der Gestaltung der Station zu Weihnachten freie Hand zu lassen. Es war hochinteressant zu sehen, wie die verschiedenen Brauchtümer sich mischten, zum Teil vereinten oder einfach nur friedlich nebeneinander existierten. Sonderbar, dass das auf der Erde, der eigentlichen Heimat all dieser Brauchtümer, immer noch so schwierig war.

Doch Elizabeth vertrieb diesen düsteren Gedanken schnell wieder. Es waren nur noch drei Tage bis Heiligabend und in dieser Zeit wollte sie sich einfach treiben lassen und die Betriebsamkeit der Menschen um sie herum genießen. Für einen kurzen Moment wollte sie sich einfach nur an all den strahlenden Gesichtern erfreuen. Wollte vergessen, dass irgendwo da draußen die Wraith nur auf ein passende Gelegenheit warteten, um ihnen die Lebensenergie abzusaugen.

Immer noch mit einem Lächeln im Gesicht bog sie um eine Kurve und stieß frontal mit Dr. Carson Beckett zusammen. Die Unterlagen, die sie im Arm gehalten hatte, flogen in alle Himmelsrichtungen und verteilten sich elegant über den ganzen Boden. Der immer gut gelaunte Schotte entschuldigte sich sofort wortreich, sammelte flink alle Blätter wieder auf, drückte sie der sprachlosen Elizabeth in die Hand und war schon wieder weg.

Für eine Sekunde jedoch erhaschte sie einen Blick in sein Gesicht. Und war überrascht. Statt der allgemeinen Fröhlichkeit sah sie in seinen Augen fast so etwas wie...Traurigkeit. Konnte das sein? Doch bevor sie ihn fragen konnte, war er schon verschwunden. Und Elizabeth stand wieder allein da, die hastig zusammengeschobenen Unterlagen als wilden Papierwust im Arm, und im Hinterkopf die Frage, ob sie sich vielleicht nicht alles nur eingebildet hatte.

Langsam ging sie weiter, doch ihr Schritt hatte etwas von seiner Leichtigkeit verloren.

******************************

Dr. Carson Beckett hastete nach seinem Zusammenstoß mit Dr. Weir weiter, rannte dabei auf seiner fast schon panikartigen Flucht in sein Quartier noch drei weitere Crewmen beinahe über den Haufen und prallte schließlich, kurz vor seinem Ziel, noch einmal in ein menschliches Hindernis.

Diesmal jedoch in eines, das nicht einfach nur einen Haufen Unterlagen flatternd fallen ließ, sondern das die Hände frei hatte und selbige freien Hände um seine Unterarme schloss, um sie beide vor einem Sturz zu bewahren.

„Ho, ho, Doc...was haben Sie’s denn so eilig?“

Colonel Sheppard.

Carson seufzte tief auf. Na toll. Das war genau das, was ihm zu seinem Glück noch gefehlt hatte. Mr. Ich-bin-immer-gut-drauf-und-jeder-mag-mich. Der Mann, der es als einziger schaffte, auch NACHTS noch durch Carsons Kopf zu spuken. Der Mann, der immer so aussah, als wäre er gerade erfolgreich flach gelegt worden. ‚Leider nicht von dir, huh?’ flüsterte eine kleine Stimme in seinem Kopf, die er jedoch sofort zum Schweigen brachte.

Der Mann, der den munteren Schotten von Anfang an fasziniert hatte und der ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf ging. Und auch nicht mehr aus dem Herzen.

„Ich...ah...ich möchte in mein Quartier. Wenn Sie mich entschuldigen wollen, Colonel.“

Doch Sheppard machte rasch einen Schritt zur Seite und versperrte ihm erneut den Weg. Nur spürte Carson den prüfenden Blick des Colonels auf sich ruhen.

Und wand sich innerlich.

„Gibt es sonst noch etwas, Colonel?“ fragte er betont ruhig und bemühte sich, höchstens berufliches Interesse an der Anatomie seines Gegenübers zu zeigen.

„Naja...irgendwie scheinen Sie nicht wirklich in Weihnachtsstimmung zu sein, Doc.“

Tolle Erkenntnis.

„Doch, ich...bin nur etwas in Eile gerade. Kann ich Ihnen noch irgendwie helfen? Ansonsten...“ Carson deutete mit dem Finger auf sein Quartier.

„Oh, ja. Klar. Sorry. Nein, sonst gibt es nichts mehr.“

Etwas linkisch machte Sheppard einen Schritt zur Seite und ließ Carson passieren.

Doch noch lange nachdem der Doktor in sein Quartier verschwunden war, starrte John Sheppard stirnrunzelnd auf die geschlossenen Türen.

Irgendetwas war eigenartig am Benehmen des Doktors. Er versuchte es mit einem Schulterzucken abzutun und zu vergessen. Doch da ihm der Doktor von Anfang an unter die Haut gegangen war, wollte ihm das nicht so recht gelingen.

*************************

Mit einem erleichterten Seufzer schloss Carson die Tür hinter sich. Endlich war er wieder in der Vertrautheit seiner eigenen vier Wände. Mit einem sonderbaren Gefühl im Bauch sah er sich um.

Dies hier war sein Quartier, ja. Aber es war weit davon entfernt, so etwas wie ein zu Hause für ihn zu sein. Es war ihm nicht leicht gefallen, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, nach Atlantis zu gehen. Er hatte es eigentlich auch gar nicht gewollt. Und wenn er dieses verdammte Antiker - Gen nicht irgendwo in seinem Körper sitzen hätte, wäre es ihm nie in den Sinn gekommen sich auf eine solche Mission zu begeben. Aber nun war er hier. Und die ganzen vergangenen Monate hatte er versucht das Beste daraus zu machen. Es war nicht immer einfach gewesen. Sein einziger Lichtblick waren die gelegentlichen, leider rein beruflichen Treffen mit Major - ‚Nein, Colonel’, korrigierte er sich selbst - Sheppard gewesen. Diesem Mann, der irgendwie so ganz anders war, als alle Militärs, die er bis jetzt kennen gelernt hatte. Am ehesten ließ er sich vielleicht noch mit General O’Neill vergleichen, der auch für seinen etwas eigenwilligen Führungsstil bekannt war. Schon schwieriger waren die Begegnungen mit Dr. McKay gewesen. Mit dessen Unverschämtheit kam er klar, auch mit seiner herablassenden Art, ihn, Carson, zu behandeln. Das verdaute er spielend. In seiner langjährigen beruflichen Laufbahn hatte er es schon mit ganz anderen Menschen zu tun gehabt.

Doch dass McKay auch den Colonel so herablassend behandelte, einen der wenigen Menschen, der wirklich nett und freundlich zu ihm war, dass trieb Carson so manches mal fast zur Weißglut.

All das war nicht das eigentliche Problem. Seit er hier war, hatte es immer genügend Notfälle gegeben, um ihn etwas von dem Gedanken abzulenken, dass er unzählige Lichtjahre von zu Hause entfernt war. Aber im Moment GAB es keine Notfälle und statt sich darüber zu freuen war Carson enttäuscht darüber. Der Grund dafür war ganz einfach die Tatsache, dass Weihnachten vor der Tür stand. Eigentlich liebte er diese Zeit des Jahres. Um genau zu sein, war es sogar die liebste Zeit des Jahres für ihn.

In Schottland war die ganze Vorweihnachtszeit mit sehr viel Ruhe und Besinnlichkeit verbunden war. Sie gab einem Zeit, all die Menschen zu besuchen, die man selten sah, weil einem im Laufe des Jahres die Zeit fehlte. Er hatte versucht, zumindest hier, in seinem Quartier, eine kleine Erinnerung an seine Heimat aufrecht zu erhalten. Und für kurze Zeit war es ihm sogar gelungen.

Doch jetzt konnte er nicht mehr. Zu stark waren die Erinnerungen an die Weihnachtszeit in seiner Heimat, die auf ihn einstürmten und die sich so sehr von den Vorbereitungen hier auf Atlantis unterschieden. Hier auf der Station war alles laut, grell, überladen und viel zu hektisch.

Er ging hinüber zu seinem Bett, legte sich hin und nahm sein Buch zur Hand, eines der wenigen persönlichen Dinge, die er hatte mitnehmen dürfen. Abgestoßene Ecken, unzählige Eselsohren und diverse Kaffeeflecken strategisch durch das komplette Buch verteilt zeigten, dass es schon of gelesen worden war. Carson liebte dieses Buch, auch wenn er es mittlerweile beinahe auswendig kannte. Er suchte das Lesezeichen, klappte das Buch auf und Sekunden später war er bereits nicht mehr ansprechbar.

****************************************

John Sheppard schlenderte nach seinem Zusammenstoß mit dem Schotten nicht mehr ganz so sorglos weiter. Da war etwas in den Augen des sonst stets so fröhlichen Doktors gewesen, das ihn nachdenklich stimmte. Eine Art...Traurigkeit. Eine nicht greifbare Sehnsucht nach...ja, wonach eigentlich? Carson Becketts Gesichtsausdruck hatte in John den Wunsch geweckt, ihn in die Arme zu schließen und einfach nur festzuhalten, zu beschützen vor was immer es auch war, dass ihn bedrückte. Und ihn vielleicht mit einem Kuss abzulenken. Oder auch zwei...oder drei...

John schüttelte kurz den Kopf, um dieses verführerische Bild wieder aus seinen Gedanken zu vertreiben und vergrub seine Hände noch etwas tiefer in seine Hosentaschen, während er weiter zu seinem Quartier ging. Keine Notfälle heute, kein Angriff der Wraith und niemand konnte ihm die Stimmung verderben heute. Nicht mal...

„Colonel!“

...Rodney McKay, selbsternanntes Genie und, soweit es John betraf, lästig wie ein Stromausfall im Winter. Oder ein Pickel beim ersten Date. John ging einfach weiter in der Hoffnung sich später damit rausreden zu können, er hätte ihn einfach nicht gehört. Immerhin brummten die Generatoren in diesem Teil der Stadt besonders laut, nicht? Doch da spürte er eine Hand an seinem Arm und etwas irritiert drehte er sich um. Es war doch sonst nicht die Art des Wissenschaftlers, andere Menschen zu berühren. War er etwas auch vom Geist der Weihnacht beseelt? Doch ein Blick in das Gesicht des Wissenschaftlers zeigte ihm, dass selbiger Weihnachtsgeist wohl einen riesengroßen Bogen um Rodney gemacht hatte.

„Colonel, haben Sie mich nicht gehört?“

Doch, gehört schon, aber ich wollte Sie einfach ignorieren, dachte John, doch laut sagte er, „Nein, Rodney. Entschuldigung. Gibt es etwas, das ich für Sie tun kann?“

Rodney holte tief Luft und begann sich lang und breit über irgendetwas zu beschweren, dass für John im Moment nicht unwichtiger hätte sein können. Er hörte sich das Lamentieren des Wissenschaftlers an ohne ihm jedoch WIRKLICH zuzuhören. Ihn beschäftigte immer noch der undefinierbare Gesichtsausdruck von Carson. Es musste doch eine Möglichkeit geben, ihm zu Weihnachten eine Freude zu machen...aber was?

Während er versuchte, seine Langeweile nicht allzu deutlich werden zu lassen, fiel sein Blick auf einmal auf eine Weihnachtsdekoration, die das naheliegende Quartier eines Lieutenant verzierte. Er drehte sich um, doch Carsons Quartier war schon zu weit weg, als dass er es noch hätte sehen können. Er konnte sich genau daran erinnern, keinerlei Weihnachtsverzierung am Quartier des Schotten gesehen zu haben.

War es das?

War das der Grund, dass der gute Doktor so eigenartig drauf war? Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder Rodney zu, nur um festzustellen, dass dieser immer noch am Jammern und sich Beschweren war. Als er sich auf ihn konzentrierte, fand er sogar endlich heraus, WARUM der Wissenschaftler so ausgiebig am Motzen war. Es ging nur um eine...

„Lichterkette?“ konnte er schließlich schnell zwischen zwei Sätze quetschen. „Sie jammern mir hier beinahe eine halbe Stunde die Ohren voll wegen einer lächerlichen Lichterkette?“

„Sie ist nicht lächerlich. Außerdem ist es nicht ein, es handelt sich um Dutzende. Wenn nicht gar Hunderte. Sie ziehen soviel Strom ab, dass ich in einem Notfall für die Sicherheit von Atlantis nicht garantieren kann.“

Ungläubig und mit leicht geöffnetem Mund starrte John den vor ihm stehenden Rodney an. Es erschien im absolut lächerlich, dass ein paar Lichterketten die Sicherheit einer Stadt in der Größe von Atlantis gefährden konnte. Aber vielleicht konnte Rodney ihm etwas helfen. Vielleicht wusste er...

„Rodney, was wissen Sie über schottische Weihnachtsbräuche?“

Für eine Sekunde machte Rodney den Eindruck eines Fisches auf trockenem Land. Sein Mund öffnete und schloss sich ein paar Mal ohne dass ein Ton herauskam. Wäre er mit seinem Gedanken nicht so sehr bei Carson gewesen, hätte John darüber gelacht, doch so betrachtete er ihn nur stumm und wartete auf eine Antwort. Die er auch bekam.

„Natürlich nicht. Ich bin Kanadier, kein Schotte. Warum fragen Sie nicht Carson? Oder Sean, aus der wissenschaftlichen Abteilung? Ich bin sicher, die können Ihnen weiterhelfen.“

John horchte auf. „Sean?“

Rodney machte eine wegwerfende Handbewegung. „Sean McGrady. Schotte durch und durch. Fehlt nur noch, dass er im Kilt zur Arbeit kommt. Aber um noch mal auf die Lichterketten zurück zu kommen...“

John legte Rodney die Hände auf die Schultern und drückte sie kurz. „Danke, Rodney. Sie haben mir wirklich weitergeholfen.“ Damit drehte er sich um und ließ den empörten Wissenschaftler einfach stehen...

************************************

Also, keine Girlanden, keine Lichterketten, keinen großen Aufwand, stattdessen Whisky, Lieder und Haferkekse. John ging in Gedanken noch einmal durch, was McGrady ihm über schottische Weihnachten erzählt hatte. Er ging durch die Stadt und versuchte sie mit den Augen eines Schotten zu sehen. Plötzlich erschien ihm alles überlaut, grellbunt und schrecklich kitschig.

Zufrieden mit sich selbst betrat John sein Quartier und schloss die Tür hinter sich ab. Dann drehte er sich um und lächelte. Dort auf dem Tisch war ein Flasche Whisky, schottischer natürlich, ein Teller mit Haferkeksen (er hatte McGrady dafür einen Sixpack seines geliebten Bieres abgetreten) und...ein Mistelzweig. Vorsichtig hob John den Mistelzweig mit zwei Fingern hoch und lächelte.

*************************************

Nur noch einen Tag. Heute war schon der 24. und spätestens morgen würde der ganze Spuk vorbei sein.

Carson seufzte und hastete auf einem ihm mittlerweile wohl vertrauten Schleichweg rasch zu seinem Quartier. Wieder einmal war ein Tag relativ ereignislos vorübergegangen und außer ein paar harmlosen Verletzungen wie einem verstauchten Knöchel oder einer Magenverstimmung aufgrund zu vieler Plätzchen - das wäre mit den schottischen Haferkeksen seiner Mutter NIE passiert -, war nichts gewesen. So hatte er pünktlich Feierabend machen können. Die nächsten zwei Tage hatte er sich frei genommen, in der Hoffnung auf dieser Weise dem Wahnsinn entgehen zu können. In der Stille seines Quartiers wollte er Weihnachten so feiern, wie er es mit seiner Mutter und seinen Freunden immer getan hatte. Nur schade, dass er keinen Whisky da hatte. Was würde er jetzt nicht für einen guten Scotch geben...

Aber man konnte nicht alles haben. Mit einem kleinen Lächeln zündete er eine Kerze an, nahm sein Buch zur Hand und...

*beep beep*

...ließ es mit einem Seufzer wieder sinken. Wer störte ihn denn jetzt? Die Krankenstation war doch besetzt und eine Verabredung hatte er jetzt nicht. Vielleicht sollte er es einfach ignorieren? Ja, für einen Abend konnte er das ohne schlechtes Gewissen tun. Erneut nahm er sein Buch wieder auf.

*beep beep*

*beep beep*

*klopf klopf*

„Nun kommen Sie schon, Carson...ich weiß, dass Sie da sind.“

Vor Schreck ließ Carson fast sein Buch fallen. Sheppard? Was zum Teufel machte Sheppard hier vor seinem Quartier. Langsam, fast wie in Zeitlupe, stand er auf und ging hinüber zur Tür. Als er seine Hand ausstreckte, stellte er fest, dass sie zitterte. Er holte tief Luft, hielt sie an, zählte bis zehn und ließ sie dann langsam wieder ab. Als er jetzt seine Hand ausstreckte, war das Zittern weg.

Mit einem leisen *swoosh* öffnete sich die Tür.

Grinsend stand Colonel Sheppard vor seiner Tür, in einer Hand einen abgedeckten Teller, in der anderen eine Flasche mit einer goldbraunen Flüssigkeit.

„Fröhliche Weihnachten, Doc.“

Carson spürte, wie ein Schauer über seinen Rücken lief. Für ein paar Sekunden starrte er den anderen Mann nur an. Als Sheppard in schließlich fragte, „Darf ich reinkommen?“, spürte Carson, wie er errötete und trat einen Schritt zur Seite. Das Grinsen immer noch im Gesicht, schritt John an Carson vorbei und trat ein.

Carson bemühte sich, professionell zu sein. Es musste wohl irgendein Notfall sein, wenn der Colonel nach Feierabend bei ihm im Quartier auftauchte und nicht auf die Krankenstation ging. War es etwas Vertrauliches? Und was sollten die Flasche und der Teller?

„Kann ich Ihnen irgendwie helfen, Colonel?“ Er war stolz auf sich, dass seiner Stimme nichts anzumerken war...kein Zittern, kein Beben.

„Ja, ich...ich hab da diese Kekse“, etwas linkisch entfernte John die Abdeckung vom Teller und mit offenem Mund starrte Carson auf...

„Haferkekse“, murmelte er beinahe andächtig.

Johns Grinsen wurde noch breiter. „*Schottische* Haferkekse“, sagte er stolz, dann drehte er die Flasche und der Schotte hatte plötzlich einen Kloß im Hals. „Schottischer Whisky...John, ich...wo hast du das her?“

In seiner tiefempfundenen Freude merkte Carson nicht, dass er den Colonel duzte. Doch dann trat dieser ganz dicht an ihn heran und bevor Carson fragen konnte, was das sollte, küsste John ihn. Es war nur ein kleiner Kuss, hingehaucht auf geschlossene Lippen. Doch es stellte innerhalb von Sekundenbruchteilen seine Welt auf den Kopf. Sollte dies wieder einer der Sheppard - üblichen Späße sein? Dann fand er das gar nicht witzig.

Fragend sah er John an, sagte nichts. Und mit einem schelmischen Lächeln deutete dieser mit dem Kopf nach oben. Carson folgte seinem Blick und sah einen kleinen Mistelzweig in der Hand des anderen Mannes.

Als Carson lange nichts sagte, verblasste das Lächeln auf dem Gesicht des Colonels langsam und er ließ die Hand mit dem Mistelzweig langsam sinken. Er wirkte auf einmal beinahe verlegen und stellte wortlos die Flasche Whisky auf den Tisch neben die Kekse. Schweigend drehte sich zur Tür.

In dieser Sekunde wusste Carson, dass er sich entscheiden musste. Wenn er den Colonel jetzt gehen ließ, so wusste er, dass der andere Mann diesen Zwischenfall nie wieder erwähnen würde. Aber er wusste auch, dass er dann vielleicht die einzige Chance vertun würde, die er jemals kriegen würde.

Oder er könnte ihn aufhalten, könnte ihn fragen, was das sollte, warum er das gemacht hatte, was er wollte, was er erwartete...und das Ganze noch vor Beginn zu Tode diskutieren.

Plötzlich sah er, dass John bereits an der Tür war und hörte auf sich über Dinge Gedanken zu machen, die jetzt doch eigentlich gar nicht relevant waren. Mit dem Mut der Verzweiflung packte er John am Arm, drehte ihn zu sich herum, zog ihn an sich und küsste ihn.

***************************************

Es war, als stünde die Welt still. Dr. Carson Beckett küsste so, wie er alles tat: fokussiert, konzentriert und voller Leidenschaft. Seine Hände, die so sanft waren, dass sie einen Splitter entfernen konnten, ohne dass man etwas bemerkte und dann wieder so stark, dass sie einen Knochenbruch richten konnten, hatten sich um sein Gesicht gelegt. Hielten ihn fest. Gaben ihm Sicherheit. Und schienen im Moment Johns einziger Halt zu sein, sein einziger Bezug zur Realität. Mit einem Seufzer öffnete er seinen Mund und vertiefte den Kuss.

Die Küsse wurden intensiver und nach kurzer Zeit fand John sich mit offenem Hemd gegen die nächste Wand gepresst, Carsons Zunge tief in seinem Mund und seine Hände auf seiner nackten Haut.

Nach einigen Momenten riss er sich von dem leidenschaftlichen Schotten los und lehnte seine Stirn an die des anderen Mannes. Keuchend versuchte er seinen wilden Herzschlag und auch sich selbst wieder unter Kontrolle zu bringen.

„Carson“, flüsterte er gegen die Lippen des Doktors, „Carson, warte. Bitte, ich...“ doch schon war sein Mund wieder mit dem des anderen Mannes bedeckt. Er spürte wie er langsam aber sicher Richtung Bett dirigiert wurde. Eigentlich deckte sich das ja wunderbar mit seinen eigenen Gedanken, aber sollten sie nicht noch darüber...Gott ja, genau da...reden vorher? Zumindest ein bisschen? Doch dann wanderte Carsons Hand an seinem Körper hinab und fand seinen Weg zielsicher in seine Hose. Mit einem tiefen, kehligen Stöhnen ließ er seinen Kopf in den Nacken fallen.

Alle Gedanken daran, dass es vielleicht sinnvoll sein könnte, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, verschwanden endgültig, als Carson plötzlich mit einer raschen Bewegung Johns Hose auf die Knöchel runterzog. Eine starke Hand stieß ihn in die Mitte der Brust und hilflos fiel er rückwärts aufs Bett. Doch dann spürte er einen Mund, der sich um sein Glied schloss und er hörte ganz auf zu denken...

********************************

Normalerweise war Carson ein Analytiker. Ein Mann, der immer wissen wollte was wie funktionierte und der den Dingen gerne auf den Grund ging.

Doch im Bett war er ein Genussmensch. Ein Mann, der nur wissen wollte was seinem Partner am meisten Freude bereitete. Ein Mann, der ganz auf seinen Liebhaber einging.

Jetzt, Stunden später, lag er neben John im Bett, atemlos, gesättigt und zutiefst befriedigt. John lag auf dem Bauch direkt neben ihm, Carsons Kopf ruhte auf einem seiner Schulterblätter und mit den Fingern malte er verschlungene Muster auf Johns Rücken und genoss den Haut an Haut Kontakt. Sie schwiegen beide. Doch es war kein unangenehmes Schweigen. Carson genoss diese Stille nach dem Sex. Es gab ihm Zeit, seine Gedanken zu sammeln, wieder zu Atem zu kommen. Doch heute gab es noch ein Frage, die ihm auf der Seele lag. Sanft küsste er die weiche Haut unter seine Wange und fragte leise, „Woher wusstest du, wie wir in Schottland Weihnachten feiern?“

Ein paar Minuten lang antwortete John nicht, doch Carson spürte an seinem leichten Zusammenzucken, dass er ihn gehört hatte. Und wartete. Dann drehte John sich um und sah ihm genau in die Augen.

„Ich hab mit McGrady gesprochen. Und er hat mich über die schottischen Bräuche aufgeklärt. Ich wollte, dass du ein schönes Weihnachtsfest hast.“

Carson stützte sein Kinn auf die Brust des Amerikaners und sah ihn verwundert an. „Wieso?“

John runzelte die Stirn. „Was meinst du mit wieso?“

„Warum war dir das so wichtig?“

Wieder schwieg er für ein paar Momente bevor er antwortete, „Ich weiß nicht...irgendwie war es mir wichtig.“

Carson überlegte, ob er weiter fragen sollte, doch dann spürte er die angenehme post-koitale Mattigkeit in seinen Knochen und beschloss, dass das im Moment eigentlich auch gar nicht wichtig war. Vielleicht könnten sie morgen darüber reden. Er kuschelte sich etwas näher an John heran und küsste seine Schulter zärtlich, bevor er die Augen schloss.

„Gute Nacht, John.“

Für eine Sekunde hörte er nur das gleichmäßige Atmen seine Geliebten und dann, „Fröhliche Weihnachten, Carson.“

Und mit einem Lächeln im Gesicht schlief er ein.

Ende
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